Buddhistisches Tor Berlin

Mythenforschung in Vimaladahtu

»Mythen sind ursprüngliche Erzählungen«, wurden wir am Anfang des Männerkonvents aufgeklärt. Das heutige Sprachverständnis verstehe darunter allerdings meistens: falsche Vorstellungen, an die wir irrtümlicherweise glauben.

Am 28. Mai brachen sechs Berliner mit Karunada ins Sauerland auf, um dort am Männerkonvent »Mythen meines Lebens« teilzunehmen. Schon die achtstündigen Anreise mit dem Zug bot reichlich Gelegenheit, uns kennenzulernen: Wir diskutierten über Spiritualität und Buddhismus – und tauschten unsere Erfahrungen aus.

Am Ziel wartete das Meditationshaus Vimaladhatu, inmitten frühlingshafter Mittelgebirgswälder und bevölkert mit Männern aus ganz Deutschland, die alle gekommen waren, um die Mythen ihres Leben zu ergründen. Tatsächlich führten uns die Vorträge, Diskussionen und Meditationen der nächsten Tage manche dieser falschen Vorstellungen unserer westlichen Gesellschaft vor Augen. Den »Romantischen Mythos« zum Beispiel, der vielen von uns sehr am Herzen liegt. Glauben wir nicht alle, romantische Liebe, Sex und vielleicht auch eine Familie mit Kindern könne uns dauerhaft glücklich machen? Aber obwohl dieser Mythos einige seiner zahlreichen Versprechungen tatsächlich zu halten scheint, hatten die meisten Teilnehmer doch die Erfahrung gemacht, dass dies nicht von Dauer war.

Ganz ähnlich der Mythos von Sicherheit durch Geld und Besitz: »Wenn wir es nur schafften, genügend Vermögen anzuhäufen, könnten wir endlich sicher und geborgen leben …« Oder der Gutbürgermythos, der uns vorspiegelt, dass wir als anerkannte und respektierte Bürger automatisch glücklich wären.

Nach und nach gaben sich zahlreiche weitere Mythen zu erkennen – der Wissenschaftsmythos, der »Männlichkeitsmythos« und, und, und. Klar wurde auch, dass jeder von uns darüber hinaus noch seine persönlichen Mythen pflegt. In der förderlichen Atmosphäre des Konvents gelang es uns, etliche dieser falschen Vorstellungen zu erkennen und zu durchschauen.

An einer reinen Männergruppe teilzuhaben, war für einige von uns neu. Trotzdem fühlten sich alle sehr wohl in einer Atmosphäre liebevoller Brüderlichkeit. Wir akzeptierten uns mit allen Ecken und Kanten, meist sogar ohne das übliche Konkurrenzverhalten. Es gelang, Dinge an- und auszusprechen, die sonst eher vermieden werden. So ergab sich ein inspirierender und erstaunlich offener Austausch, der uns alle ein ganzes Stück weiter gebracht hat.

Auch der Abschluss ließ keinen Teilnehmer kalt. Die feierliche Puja am Stupa von Dhardo Rimpoche, einem Lehrer von Sangharakshita, berührte und beeindruckte alle. »Die Inschriften ‚Strahle Liebe aus, lebe in Eintracht und bewahre den Dharma‘ haben sich in mein Herz gebrannt«, sagte jemand auf der Rückfahrt.

An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an die Organisatoren, die Gastgeber, den Koch und an alle Teilnehmer!

Raimund, mit Beiträgen von Wilfried, Tim und Wolfram.

Berlin, den 10.06.2014